Montag 06. Februar 2012
01. Januar 2009
Ein Fest für alle Boxsport-Fans

Quelle: Thomas Willmann, SVZ vom: 03.12.2008
Foto: Lewitzfoto
 

NEUSTADT-GLEWE - Mehr als 500 Zuschauer wollten sich diesen boxerischen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Schließlich hatte der SV Fortschritt mit dem internationalen Vergleich zwischen einer Kampfgemeinschaft Berlin/ Neustadt-Glewe und einer polnischen Auswahl aus Krakau einiges auf die Beine gestellt.

 

Die langjährige Arbeit des Vereins wurde auch von höherer Stelle honoriert. Bevor es richtig rund ging, überreichte Peter Milord, Kampfrichterobmann des Deutschen Boxverbandes, Gerrit Elfert stellvertretend die Ehrenurkunde sowie die Ehrennadel des Landesverbandes in Gold. "Hier ist immer was los. Das ist ein tolles Publikum. Wir kommen gerne nach Neustadt-Glewe", betonte der Kampfrichter der Weltföderation. Dem schloss sich der Ehrenvorsitzende des Boxverbandes MV, Hans Richert, gerne an, als er mit Harald Krey einen Mann der ersten Stunde bei den Boxern der damaligen BSG Lederwerke Neustadt-Glewe auszeichnete.


Medaillen aus der Hand eines Olympiasiegers
Im Ring setzten Kai Weers vom Sportclub Hemmoor (bei Cuxhaven) und der Neustädter Jason Stieve ein erstes Zeichen. Die beiden erst Neunjährigen, die außer Wertung boxten, erhielten für ihr beherztes Auftreten viel Beifall. Es schlossen sich 16 weitere Kämpfe aus allen Altersklassen von den Schülern bis hin zu den Senioren an. Obwohl die polnischen Gäste fast durchweg starke Leute ins Rennen schickten, zogen sie doch in allen Vergleichen den Kürzeren. Beim 24:8-Erfolg unterstrichen insbesondere die Aktiven von Eintracht Berlin ihre Qualitäten. Nicht umsonst zählt dieser Verein zu den erfolgreichsten im deutschen Amateurboxsport. Weit mehr als 200 Jugendliche aus acht Nationen trainieren nach Aussage von Vereinschef Harald Lange derzeit unter professionellen Bedingungen in der Bundeshauptstadt. Lange, der selbst einst in Neustadt das Boxen erlernte und zugleich Manager im Sauerland-Stall ist, verfolgte das Auftreten seiner Jungs aufmerksam: "Ich bin sehr zufrieden. Das Niveau war vom ersten Kampf an hoch." Zustimmung erhielt er von Horst Gülle, zehn Jahre Cheftrainer bei Dynamo Berlin: "Beide Seiten bieten guten Boxsport. So eine tolle Sache sollte man im Interesse unserer Sportart häufiger wiederholen." Auch Jochen Bachfeld, Olympiasieger von 1976, ließ sich diesen internationalen Vergleich nicht entgehen und stieg für einige Auszeichnungen in den Ring.

Die Neustädter Farben kamen in dieser erstklassig besetzten Konkurrenz nicht zu kurz. Neben den Schülern Jason Stieve und Forian Fuchs war der SV Fortschritt mit fünf Senioren vertreten. Björn Ahlers war die Freude über das erreichte Unentschieden gegen den Berliner Moamet Remo anzusehen. Der Kampf von Steven Pommerenke gegen Andreas Junghans (Bad Kleinen) wurde ebenfalls Unentschieden gewertet.


Internes Neustädter Duell endet mit Unentschieden
Besonders emotional ging es im Halbschwergewicht zu. Da zwei leistungsstarke polnische Boxer ausgefallen waren, standen sich hier mit Dennis Peters (34 Jahre) und Randy Thomsen (28) zwei Neustädter gegenüber. Die international erfahrenen Lokalmatadoren, die sich gezielt auf diesen Kampf vorbereitet und sich dafür im Training noch einmal ordentlich gequält hatten, schenkten sich nichts. Nach dem Kampfrichterurteil - Unentschieden - lagen sich beide in den Armen. Im abschließenden Kampf hielt Karsten Wacker, der lange nicht mehr geboxt hatte, gegen Eric Möller (Grevesmühlen) bis in die dritte Runde gut mit. Zum Ende ging ihm ein wenig die Kraft aus, so dass der Grevesmühlener noch zu einem verdienten Punktsieg kam.

Auch das Rahmenprogramm passte bestens zum Anlass des Abends. Denn Straßenmusiker Dirk Schäfer, der vor dem Vergleich und in der Pause aufspielte, hat ebenfalls eine erfolgreiche Boxvergangenheit vorzuweisen. Nach einem umstritten verlorenen Kampf in Berlin - nicht wenige sprechen noch heute von einem gesteuerten Fehlurteil - hatte der mehrfache DDR-Meister 1984 die Handschuhe geschmissen.

Die letzte Entscheidung einer stimmungsvollen Veranstaltung fiel erst nach 23 Uhr. "Das war wohl der längste Abend in der Neustädter Boxgeschichte", sagte lachend Gerrit Elfert. Er ist stolz auf seine Mitstreiter und möchte sich auf diesem Wege noch einmal bei allen Helfern und den über die Jahre mehr als 50 Sponsoren bedanken.

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